Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wein

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

wein [2017/03/13 21:19] (aktuell)
Zeile 1: Zeile 1:
 +====== Wein ======
 +
 +Da ich ja doch ab und zu mal einen Tropen trinke, gibts sogar eine Seite über Wein. Noch lieber trinke ich allerdings [[Whisky]].
 +
 +----
 +
 +Nettes Usenetposting aus de.alt.nedigest:​
 +
 +From: HaJo Hachtkemper
 +
 +Date: Tue, 29 Jul 2008 12:31:16 +0200
 +
 +Subject: Re: Welche wiederkehrenden Schnäppchen lohnen *nicht*?
 +
 +Newsgroups: de.alt.fan.aldi
 +
 +Message-ID: <​g6n2il.354.1@newsgroups.02368.net>​
 +
 +
 +
 +Ulf Volkert schrieb:
 +> > "​Château Migraine"​ hört sich ja auch erst mal ganz gut an, wenn man
 +> > nicht weiter drüber nachdenkt ...
 +
 +Aus aktuellem Anlaß also hier die Wein-FAQ:
 +
 +Sie können mit verbundenen Augen den Unterschied zwischen Hefeweizen
 +und einem 1952er Chateau Migraine erkennen? Die beiden Rebsorten "​Rot"​
 +und "​Weiß"​ sind für sie kein Geheimnis? Sie trinken Rotwein gerne zum
 +Fisch, Hauptsache er ist schön süß?
 +
 +Klasse, das langt vollkommen. Aber was passiert, wenn sie im Kreise
 +wichtiger Freunde oder Bekannter in einem erlesenen Restaurant die
 +Getränke bestellen "​dürfen"​ und nicht dastehen wollen wie mit offener
 +Hose?
 +
 +Folgende Situation: Sie haben neulich bei ALDI einen billigen
 +mazedonischen Rotwein für die Grillfete erstanden und hatten am
 +nächsten Morgen so gut wie keine Kopfschmerzen?​ Glück gehabt. Aber
 +erwähnen Sie nie im Gespräch mit Geschäftsfreunden:​ "Also dieser
 +Aldi-Rotwein für 2,19, der war ja sooo lecker."​ Man wird sie
 +ausstoßen, ignorieren und fürderhin keine einzige Silbe mehr mit Ihnen
 +wechseln.
 +Korrekt heißt das: "Mein Importeur hat mir neulich einen rassigen
 +Rotwein vom Balkan empfohlen. Ein einfacher Wein, aber zu
 +Kurzgebratenem gut trinkbar."​
 +Sie sehen also, richtig formuliert, wirkt das gleich viel weniger
 +peinlich.
 +
 +Übrigens "​Weinkenner",​ die behaupten Rebsorte, Jahrgang, Lage,
 +Weingut, Haarfarbe des Kellermeistes etc. am Geschmack zu erkennen
 +lügen. Mehr als Rebsorte evtl. noch Region geht meist nicht. Nur
 +langjährig erfahrene Triebtrinker können ihre Erfahrung einbringen und
 +"alte Freunde"​ wiedererkennen.
 +Ebenso sind Verallgemeinerungen wie: "​Frankenwein ist immer trocken"​
 +oder "​Moselwein hat mehr Säure"​ normalerweise völlig an den Haaren
 +herbeigezogen. Daran erkennt man den Blender. Solche Menschen lassen
 +wir gekonnt auflaufen. Das Anbaugebiet Baden ist z.B. so vielfältig,​
 +dass hier eigentlich gar keine allgemeine Einordnung möglich ist.
 +
 +Klugscheißerinfos:​
 +Fällt der Begriff "​Schwarzriesling"​ so erwähnen wir beiläufig, dass es
 +sich dabei um gar keinen Riesling, sondern um einen "Pinot Meunier"​
 +bürgerlich:​ "​Müllerrebe"​ handelt.
 +Barriqueausbau:​ Weine, die im Holzfass ausgebaut werden kommen immer
 +mehr in Mode. Sie bekommen meist keine Prädikate etc. da sie nicht
 +mehr sortentypisch,​ gebietstypisch usw. schmecken.
 +Rioja ist ein spanisches Anbaugebiet,​ keine Rebsorte.
 +Q.b.A bedeutet "​Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete",​ Analog zu
 +ausländischen Qualitätsstufen (z.B. D.O.C.). Q.b.A ist kein Prädikat!
 +
 +Fassen Sie Weingläser immer am Stiel an. Nichts ist peinlicher, als
 +Fettfinger am Kelch. Wein duftet, schmeckt und sieht nett aus, das
 +Gehör stimulieren wir durch das Anstoßen. So werden unserer Ohren mit
 +einem glockenhellen "​Ping"​ auf den Genuß eingestimmt. Proletenfalle:​
 +Packt man das Glas am Kelch ertönt bei der Kollision der Gläser nur
 +ein plumpes "​Pock"​. Gläser mit kleinem Kelch sind für Weißwein, die
 +mit großem Kelch für Rotwein. Über die Glasqualität kann man
 +genausoviel debattieren wie über die des Weines. Bleikristall ist
 +übrigens pfui, ebenso gefärbtes oder aufwendig geschliffenes Glas,
 +weil die Weinfarbe dann nicht mehr begutachtet werden kann. Falls man
 +Ihnen ein typisches regionales Glas, z.B. einen Römer reicht, loben
 +sie den erfrischend folkloristischen Ansatz. Das zeigt, dass Sie
 +wissen, dass so ein Glas Unfug ist, aber den Wirt nicht beleidigen
 +wollen. Solche Gläser nimmt man nur um sich schnell und unkomplizert
 +die Lichter auszuschießen.
 +
 +Eine Sektschale weisen wir pikiert zurück, nur im hohen Sektglas kann
 +man die Perlage in ihrer vollen Schönheit bewundern. Man ist ja Ästhet.
 +
 +Sollten Sie in die Lage kommen den Wein ordern zu müssen befolgen Sie
 +die Faustregel: Helles Fleisch: Riesling, dunkles Fleisch: Bordeaux.
 +Die Chance damit daneben zuliegen geht gegen 0. Auf jeden Fall wird
 +niemand Einspruch erheben, da er oder sie sonst in Erklärungsnotstand
 +gerät.
 +
 +Riesling ist die Perle des deutschen Weines, er hat eine angenehme
 +Farbe, eine vielschichtiges Aroma, feinnervige Säure, außerdem muß man
 +danach nicht so furzen. Bei Riesling-Bestellung erwähnen Sie: "Den
 +ewigen "Pinot Grigio"​ ("​Chardonnay"​ falls ihr Gegenüber aus Italien
 +kommt) kann man ja langsam nicht mehr sehen. Vorsicht: Grauburgunder
 +und Ruländer sind dasselbe wie "Pinot Grigio"​!
 +
 +Bei Bordeaux-Bestellungen:​ "Die "​Rioja"​- ("​Barolo"​ falls Sie zu einem
 +Spanier sprechen) Euphorie legt sich ja zum Glück langsam wieder."​
 +
 +Nie einen "​halbtrockenen"​ Wein bestellen, das ist genauso peinlich wie
 +"​rosé",​ außer sie wollen betont Liberalität gegenüber gewissen
 +Sexualgewohnheiten signalisieren. Zum Essen trinkt man trockenen Wein,
 +zum Dessert süßen, Punkt. Sollte Ihr Mitesser aus der Provence kommen
 +ist allerdings Vorsicht mit Ressentiments gegenüber Rosé-Weinen
 +angebracht.
 +
 +Rotling oder Schillerwein (Würtemberg) ist eine andere Bezeichnung für
 +einen aus Weiß- und Rotwein gemischten "​Rosé"​.
 +
 +Bestellen Sie immer einen möglichst alten Wein wenn es um Rotwein geht
 +(außer sie müssen zahlen). Bestellen Sie einen 2-4 Jahre alten Wein
 +wenn es sich um Weißwein handelt.
 +
 +Bestellen Sie nie offene Weine, immer eine ganze Flasche. Wenn das
 +überhaupt geht, viele kleinere Weinstuben bekommen ihren Rebensaft
 +nämlich in Schläuchen (s.u.) geliefert (das ist aber kein unbedingter
 +Qualitätsnachteil). Das Risiko bei offenen Weinen ist, dass man schon
 +mal einen spanischen Leberkiller als lecker Rioja vorgesetzt bekommt.
 +
 +Schnüffeln sie am Kork wenn sie wollen, aber seien sie sich der
 +Tatsache bewußt, dass er in den meisten Fällen nach Kork riecht (so
 +isser halt). Nur wenn er muffelig riecht ist Vorsicht geboten, ein
 +erster vorsichtiger Schluck bringt dann den Beweis.
 +
 +Das Dekantieren des Weines, also das Umfüllen in eine Karaffe dient
 +haupsächlich dazu, das Depot, also abgelagerte Feststoffe vom Wein zu
 +trennen. Dazu legt man die Flasche vor dem Dekantieren einige Zeit
 +schräg, das Depot kann sich dann am Flaschenboden sammeln. Beim
 +Umgießen, Profis stellen dabei eine Kerze unter den Flaschenhals,​
 +stoppt man, bevor die Brocken in die Karaffe fließen.
 +
 +Weißweine dekantiert man im allgemeinen nicht, da sie weniger
 +Feststoffe enthalten und Oxidation durch zuviel Sauerstoff den
 +Geschmack eher beeinträchtigt (in Richtung Sherry). Bei Rotweinen ist
 +eine leichte Oxidation dem Geschmack oft zuträglich,​ bei alten
 +Flaschen (nicht Loddar M.) hat der Wein oft während der Lagerung schon
 +durch den Korken geatmet. Hier kann der "​Sauerstoffschock"​ dem Wein
 +den Rest geben.
 +
 +Lesen Sie die Jahreszahl auf dem Etikett. Das ist nicht das
 +Verfallsdatum,​ sondern das Jahr der Ernte (der Kenner sagt allerdings
 +"​Lese"​).
 +
 +Junger Bordeaux hat in etwa den Tanningehalt von Gerberlohe. Sollte
 +also jemand einen Wein aus dem Bordelais ordern, der weniger als 5
 +jahre alt ist, bestellen Sie lieber ein Pils. Oder beklagen Sie
 +lautstark den hohen Gehalt an Polyphenolen.
 +
 +Die deutschen Weinetikette sind sehr undurchsichtig. Keine Sau weiß,
 +ob sich hinter einem "​Oppenheimer Nierentritt"​ eine Perle der Önologie
 +oder ein hinterhältiger Angriff auf unsere Gesundheit verbirgt. Die
 +Lage des Weines sagt nichts über seine Qualität aus. Ob fürstliche
 +Domäne im Reingau oder Bahndamm Nordseite aus Friesland, lassen sie
 +sich nicht blenden, wenn andere mit Lagenbezeichnungen um sich werfen.
 +
 +Was zählt sind bei deutschen Weinen die Prädikate, unter Q.b.A. geht
 +nix. O.b.A ist selbst allerdings noch kein Prädikat, sondern sagt nur
 +aus, dass der Erzeuger nachweisen kann, wo seine Trauben gewachsen
 +sind. Bei Tafel- und Landweinen ist originelle Artenvielfalt in einer
 +Flasche durchaus keine Seltenheit.
 +
 +Wenn sie einmal aus einem "​Bocksbeutel"​ einschenken müssen: Etikett
 +nach oben, vier Finger unter die Flasche, Daumen auf die Flasche. Wein
 +im Bocksbeutel ist übrigens mindestens Qualitätswein (Q.b.A).
 +
 +Es ist wissenschaftlich verbürgt, dass die wichtigsten
 +Geschmacksinformationen über das Auge transportiert werden. Was auf
 +dem Etikett steht wird geglaubt. Wenn da "​trocken"​ steht, ist der Wein
 +trocken, auch wenn sich Zuckerkristalle im Glas absetzen. Praktisch
 +jeder Wien geht als "​halbtrocken"​ durch, außer er greift schon das
 +Glas an.
 +
 +Wir bestellen grundsätzlich Bordeauxweine,​ die sind normalerweise am
 +Wort "​Chateau"​ auf dem Etikett zu erkennen. Im Bordelais herrscht ein
 +relativ strenges Klassifizierungssystem,​ das dem Kenner ermöglicht den
 +Wein genau einzuordnen und dem Weinbauern die Freiheit läßt zu
 +panschen was das Zeug hält. Französische Weine werden in der Regel mit
 +Zucker versetzt, dass es nur so kracht. Man nennt das dort allerdings
 +"​chaptalisieren"​. Bei uns ist das Chaptalisieren nur bei Weinen ohne
 +Prädikat erlaubt. In eine Spätlese darf also kein Zucker rein.
 +Ein echter Bordeaux besteht aus ca. 3 verschiedenen Weinen, die
 +assembliert werden. Dadurch befinden sich soviele Aromen in dem Stoff,
 +dass man mit seiner Geschmackseinschätzung nie völlig daneben liegen
 +kann. Gut klingen immer: Cassis (schwarze Johannisbeere),​ Zimt,
 +Vanille, Zigarrenkistenholz,​ Kaffeebohne;​ aber so ziemlich jede
 +Geschmacksrichtung die Sie auch von der Eisbude kennen, können sie
 +nennen (Vorsicht mit "​Straciatella"​).
 +
 +Wenn sie nicht die Flasche gesehen haben beschweren sie sich nicht
 +über den korkigen Geschmack, der Wein könnte aus einem Schlauch
 +abgefüllt sein (PVC-Behälter mit integriertem Zapfhahn) und nichts ist
 +peinlicher wenn der Kellner den Besserwisser korrigiert. (schon selbst
 +miterlebt, ehrlich).
 +
 +Sprechen sie nie vom Geschmack, sondern vom Bukett oder von den
 +Aromen. Es gibt primäre, sekundäre, tertiäre Aromen. Am schönsten sind
 +die postfermentativen Aromen, also diejenigen, die durch die Lagerung
 +entstehen. Obacht: Wenn Sie sich darauf beziehen sollte nicht 2003 auf
 +dem Etikett stehen.
 +
 +Weißwein sollte kalt, Rotwein bei Zimmertemperatur getrunken werden.
 +Zimmertemperatur bedeutet nicht 22° Celsius, sondern 18° C. Früher
 +waren die Menschen nicht so verweichlicht wie wir heute. Mein
 +Kühlungstipp:​ Rotwein 1/4h vor den servieren in den Kühlschrank legen,
 +Weißwein 1/4h vor dem servieren herausholen.
 +
 +HTH
 +
 +Ciao/HaJo
  
wein.txt · Zuletzt geändert: 2017/03/13 21:19 (Externe Bearbeitung)